4.0

Anständige Leute

von Leonardo Padura, Peter Kultzen

Format:Hardcover
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Havanna im Ausnahmezustand: Nicht nur Obama, auch die Rolling Stones sind in der Stadt. Conde aber wird ein unliebsamer Fall übertragen: Ein verhasster Kunst-Zensor wurde ermordet. Gleichzeitig vertieft sich Conde in einen legendären Rotlichtmord von 1909. In einem Havanna zwischen Rausch und Verzweiflung entfaltet sich ein epischer Kriminalfall.

Mystery, Thriller, Horror & Crime
400 SeitenHardcover
Erschienen an: July 8, 2024

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4.0(1 ratings)
OststadtLese86Rezension von OststadtLese86

Gleich zwei Kriminalgeschichten in einem Roman bietet uns der kubanische Autor Leonardo Padura mit "Anständige Leute". Im ersten Erzählstrang ist das Kuba der Gegenwart Schauplatz der Handlung: Obama und die Rolling Stones kündigen ihren Besuch an, die hiesige Polizei ist ausgelastet und nun muss sie auch noch einen Mord aufklären. Besonders beliebt war das Mordopfer nicht, denn in den 70er Jahren verkörperte der Ermordete für die Künstlerkreise der Insel das Böse schlechthin. Er verfolgte und schikanierte Andersedenkende. Der eigentlich schon pensionierte Polizist Conde kommt nun zur Unterstützung, um einen wahrlich kuriosen Fall aufzuklären. Und es bleibt nicht nur bei diesem einen Mord. Komplexität bekommt der Roman durch die abwechselnden Perspektiven, denn die zweite Kriminalgeschichte hat das einstige Kuba während der US-amerikanischen Militärpräsenz zum Schauplatz. Der Ich-Erzähler ist hier der Polizist Saborit, der ebenfalls Morde aufdecken soll: So tauchen wir als Leser*innen ein in das Fin de siècle der Zuckerinsel. Und ganz am Ende des Buches erfahren wir auch, dass die beiden Kriminalgeschichten mehr als nur ihren Schauplatz gemein haben. Die Handlung und Perspektivenwechsel sind nicht nur spannend und drängen zum Weiterlesen: Scheinbar ganz nebenbei tauchen wir ein in die Lebenswelten derer, die sich in einem Land der nationalen Ungewissheit durchschlagen. Während sich die Gringos mit ihrer mächtigen Währung im Gepäck einen Eindruck vom "realsozialistischen Themenpark" Kuba machen wollen, kommt die einfache Bevölkerung mit ihren kleinen Gehältern und Renten kaum über die Runden. Ein simpler Espresso in den schicken Bars Havannas kostet so viel, wie ein Arzt an einem Tag auf Kuba verdient. Letztlich beschreibt Padura eine Bevölkerung, die sich resilient gegenüber all der Widrigkeiten zeigt und das flüchtige Glück trotz all des Elends ergreift. Condes Vorsatz gegenüber dem Leben klingt deshalb wie ein Schlüsselsatz für den gesamten Roman: "Wir werden uns wie richtige Menschen fühlen und wir werden auch wie richtige Menschen essen, so wie die hundert Leute hier, die gerade zur Musik und Kelvis tanzen. Und auch wenn es danach mit dem Elend weitergeht.

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