Eine Frau steht drei Elefanten in einem deutschen Zoo gegenüber. Es ist Sinthujan Varatharajahs Mutter. Die Frau, eine Asyl suchende Tamilin, und die Elefanten haben etwas gemeinsam: Sie haben eine weite Reise hinter sich. Alle vier wurden verschleppt oder vertrieben und treffen in einem sogenannten Elefantenhaus aufeinander. Von diesem Moment aus begibt sich Sinthujan Varatharajah auf eine intensive Spurensuche und verknüpft Augen öffnend Aspekte globaler Kolonialismen mit europäischer Asylpolitik. Mit großer Klarheit stellt Sinthujan Varatharajah grundsätzliche Gewissheiten infrage und wählt dabei einen persönlichen Zugang, der sich ins Gedächtnis brennt.
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an alle orte, die hinter uns liegen
Eine Frau steht drei Elefanten in einem deutschen Zoo gegenüber. Es ist Sinthujan Varatharajahs Mutter. Die Frau, eine Asyl suchende Tamilin, und die Elefanten haben etwas gemeinsam: Sie haben eine weite Reise hinter sich. Alle vier wurden verschleppt oder vertrieben und treffen in einem sogenannten Elefantenhaus aufeinander. Von diesem Moment aus begibt sich Sinthujan Varatharajah auf eine intensive Spurensuche und verknüpft Augen öffnend Aspekte globaler Kolonialismen mit europäischer Asylpolitik. Mit großer Klarheit stellt Sinthujan Varatharajah grundsätzliche Gewissheiten infrage und wählt dabei einen persönlichen Zugang, der sich ins Gedächtnis brennt.
Aktuelle Rezensionen(2)
Der Ausgangspunkt des Buches ist ein altes Foto aus dem Münchener Zoo: 3 Elefant*innen stehen im Gehege, während die Mutter von Sinthujan Varatharajah sie beobachtet. Je länger der*die Autor*in dieses Foto betrachtet, desto deutlicher werden die Parallelen zwischen der eigenen tamilischen Familiengeschichte und der Verschleppung der Elefant*innen nach Deutschland. Im Fokus des Buches steht der Kolonialismus – von seinen Ursprüngen bis in die Gegenwart. Dabei setzt sich Sinthujan Varatharajah mit 5 Aspekten auseinander: Kamera, Zoo, Elefant*innen, Landschaft und Luft. Dieses Buch hat mich ziemlich umgehauen. Es hat mich zutiefst schockiert, bewegt und meine Sicht auf die Welt korrigiert. Erst durch die Lektüre wurde mir das volle Ausmaß – und vor allem die Allgegenwärtigkeit – des Kolonialismus wirklich bewusst. Es macht mich wütend, wie wenig darüber aufgeklärt wird. Die Sprache ist beeindruckend, aber für mich persönlich stellenweise zu komplex und herausfordernd. Dennoch war es definitiv die richtige Entscheidung von Sinthujan Varatharajah, die Spuren des Kolonialismus in der deutschen Sprache sichtbar zu machen – beispielsweise durch die Verwendung vorkolonialer Bezeichnungen für Kontinente und Länder. Das hat mich während des Lesens und darüber hinaus zum Nachdenken angeregt. „an alle orte, die hinter uns liegen“ ist ein großartiges Buch, das jede*r gelesen haben muss! Das ist definitiv nicht das letzte Buch, das ich zu diesem Thema lesen werde.
Ausgehend von einem Foto, das ihre*seine Mutter im Elefantenzoo zeigt, beschreibt Sinthujan Varatharajah koloniale Zusammenhänge, die die Welt seit Jahrhunderten und bis heute durchziehen. Varatharajah begibt sich auf eine sprachliche Reise durch durch Landschaften und den Himmel, erzählt über ihre*seine Familie und Geschichten ganzer Völker, Landschaften, Pflanzen und Tiere. In nüchterner Sprache wurde mir immer wieder mein eurozentrischer Blick vor Augen geführt und die Weltanschauung, die hier herrscht, ins Wanken gebracht. Ich habe unglaublich viel gelernt, noch mehr gemerkt, was ich alles noch lernen muss und wurde gleichzeitig durch die poetischen und persönlichen Verknüpfungen mit der Geschichte der*des Autor*in zutiefst gerührt. Dieses Buch hat mich gefordert und ich mag es, wenn ein Buch der Leser*innenschaft auch sprachlich ungewöhnliches zumutet, ohne sich von Anfang an selbst zu erklären. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, das Buch so viel es geht am Stück zu lesen, um sich voll und ganz darauf einzulassen. „An alle Orte, die hinter uns liegen“ werde ich noch ganz oft aufschlagen, mir meine hundert unterstrichenen Passagen durchlesen, es hat mir bereits so viel Gesprächsstoff mit meinem Umfeld ermöglicht und ich bin dolle dankbar, dass @katretti es mir gezeigt hat.