(19 Kurzgeschichten - Eine kurze Reise durch Alles und Nichts)"Wie soll ich nur etwas beschreiben, das weder einen Anfang noch ein Ende besitzt?", fragte sich der Autor eines Buches, kurz, nachdem er die Geschichte zu Ende tippte, und das letzte Blatt Papier mit all seinen Worten aus der alten Schreibmaschine zog. Er hatte es geschafft, mit Worten all diese Welten zu erschaffen, und doch schien es ihm unmöglich, eine kurze Inhaltsangabe zu schreiben. Mit verschränkten Armen blickte er starr auf den seit Monaten wachsenden Stapel Papier. Es kam ihm so vor, als hätte er all seinen Gedanken, all dem, was bisher an Eindrücken und Erfahrungen auf ihn einwirkte, ein eigenes Universum gegeben, mit eigenen Gesetzen, ohne Anfang und ohne Ende. "Irgendwie surreal", nuschelte er vor sich hin, während er im Sessel nervös hin und her wippte und das rhythmische Quietschen des Stuhles durch das Zimmer hallte. Das Papier auf seinem Tisch wog nur ein paar Gramm, doch das, was es erzählte, war jenseits der Messbarkeit. Das Gewicht dieser Welten war so groß, dass er glaubte und hoffte, es würde nicht mehr auf seinen Schultern lasten, wäre es endlich auf Papier niedergeschrieben, doch die Gravitation, die auf ihn wirkte, während er in seinem Sessel saß, schien eine unüberwindbare Kraft zu sein. Noch immer durfte er nicht aufstehen. "Vielleicht fehlt noch eine Geschichte?", dachte er sich, doch er konnte sich drehen und wenden, rauchen und trinken, soviel er wollte, kein Wort kam mehr aus ihm heraus. Es fühlte sich an, als wäre alles erzählt, gleichzeitig aber auch nichts. Vielleicht hatte er in den letzten Jahren zu viel mit dem Schreiben verbracht, denn immerhin stammen die meisten seiner Gedanken, Eindrücke und Erkenntnisse aus einer Zeit vor seiner Gefangenschaft. "Geschichten entstehen nun Mal nicht aus dem Nichts, auch wenn sie davon handeln." Ein beklemmendes Gefühl machte sich in ihm breit, als er darüber nachdachte, dass diese Leere ihn ab jetzt vielleicht für immer begleiten würde und die letzte Geschichte für immer die Letzte bleiben würde. Zum ersten Mal seit Langem blickte er nach rechts und nach links. Die Gitter des Käfigs, welchen er sich selber erbaute, um in Ruhe zu schreiben, wurden von Jahr zu Jahr dicker, ohne, dass er es bemerkte. Zu Beginn glaubte er, dass es leicht wäre, sich seitlich durch sie hindurchzuquetschen, doch mittlerweile brechen nur noch vereinzelt Sonnenstrahlen durch sie hindurch. Zu spät hatte er bemerkt, dass er durch die Flucht in andere Welten, der Welt, die ihn ernährte, zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. Um dieser Erkenntnis zu entfliehen, griff er nach einer der Seiten auf seinem Tisch und ...
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Alles und Nichts
von Merlin S. Miller
(19 Kurzgeschichten - Eine kurze Reise durch Alles und Nichts)"Wie soll ich nur etwas beschreiben, das weder einen Anfang noch ein Ende besitzt?", fragte sich der Autor eines Buches, kurz, nachdem er die Geschichte zu Ende tippte, und das letzte Blatt Papier mit all seinen Worten aus der alten Schreibmaschine zog. Er hatte es geschafft, mit Worten all diese Welten zu erschaffen, und doch schien es ihm unmöglich, eine kurze Inhaltsangabe zu schreiben. Mit verschränkten Armen blickte er starr auf den seit Monaten wachsenden Stapel Papier. Es kam ihm so vor, als hätte er all seinen Gedanken, all dem, was bisher an Eindrücken und Erfahrungen auf ihn einwirkte, ein eigenes Universum gegeben, mit eigenen Gesetzen, ohne Anfang und ohne Ende. "Irgendwie surreal", nuschelte er vor sich hin, während er im Sessel nervös hin und her wippte und das rhythmische Quietschen des Stuhles durch das Zimmer hallte. Das Papier auf seinem Tisch wog nur ein paar Gramm, doch das, was es erzählte, war jenseits der Messbarkeit. Das Gewicht dieser Welten war so groß, dass er glaubte und hoffte, es würde nicht mehr auf seinen Schultern lasten, wäre es endlich auf Papier niedergeschrieben, doch die Gravitation, die auf ihn wirkte, während er in seinem Sessel saß, schien eine unüberwindbare Kraft zu sein. Noch immer durfte er nicht aufstehen. "Vielleicht fehlt noch eine Geschichte?", dachte er sich, doch er konnte sich drehen und wenden, rauchen und trinken, soviel er wollte, kein Wort kam mehr aus ihm heraus. Es fühlte sich an, als wäre alles erzählt, gleichzeitig aber auch nichts. Vielleicht hatte er in den letzten Jahren zu viel mit dem Schreiben verbracht, denn immerhin stammen die meisten seiner Gedanken, Eindrücke und Erkenntnisse aus einer Zeit vor seiner Gefangenschaft. "Geschichten entstehen nun Mal nicht aus dem Nichts, auch wenn sie davon handeln." Ein beklemmendes Gefühl machte sich in ihm breit, als er darüber nachdachte, dass diese Leere ihn ab jetzt vielleicht für immer begleiten würde und die letzte Geschichte für immer die Letzte bleiben würde. Zum ersten Mal seit Langem blickte er nach rechts und nach links. Die Gitter des Käfigs, welchen er sich selber erbaute, um in Ruhe zu schreiben, wurden von Jahr zu Jahr dicker, ohne, dass er es bemerkte. Zu Beginn glaubte er, dass es leicht wäre, sich seitlich durch sie hindurchzuquetschen, doch mittlerweile brechen nur noch vereinzelt Sonnenstrahlen durch sie hindurch. Zu spät hatte er bemerkt, dass er durch die Flucht in andere Welten, der Welt, die ihn ernährte, zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. Um dieser Erkenntnis zu entfliehen, griff er nach einer der Seiten auf seinem Tisch und ...
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