4.5

Wohin du auch gehst

von Christina Fonthes

Format:Hardcover
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Bijoux wird nach Unruhen in Kinshasa als Teenager zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Hier verliebt sie sich zum ersten Mal – in eine Frau. Vor ihrer religiösen Tante muss sie das verbergen, doch sie ahnt nicht, dass auch diese ein Geheimnis vor ihr hat: den wahren Grund dafür, dass sie vor vielen Jahren von Afrika nach Europa kam, in ein Land, in dem sie sich immer noch nicht zu Hause fühlt. Bijoux weiß: So wie Tante Mira will sie nicht enden. Und trifft eine Entscheidung.

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: July 23, 2025

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Aktuelle Rezensionen(2)

4.5(15 ratings)
nessaboRezension von nessabo

Ein fein erzähltes und emotional unglaublich starkes Debüt Das war ein sehr unerwartetes Highlight! Geschichten, die über mehrere Zeitebenen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt werden, gefallen mir generell sehr gut. Und doch bin ich ohne besondere Erwartungen in die Lektüre gegangen. Was gleich zu Beginn und auch im Verlauf immer wieder deutlich wird: Christina Fonthes hat eine ganz besondere Stimme, die mich gleichermaßen gepackt wie berührt hat. Sie schreibt sprachlich zugänglich und authentisch, behält sich aber stets eine angenehme Sensibilität bei. Außerdem hat sie ein echtes Händchen für kleine Hints, die nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen und später makellos wieder eingefangen werden. Auch thematisch ist dieser Roman meisterinnenhaft! Ganz zentral geht es um familiären Druck, Religion, Kultur, Identität und Queerness. Fonthes erzählt ehrlich und echt, schafft es aber auch, Schmerzhaftes nur so weit auszuerzählen, dass es sich beim Lesen nicht traumatisch anfühlt. Emotional hat mich die Geschichte trotzdem an so vielen Stellen tief berührt und manchmal regelrecht zerrissen! An den Figuren gibt es ebenso nichts auszusetzen! Sowohl Bijoux als auch ihre Tante Mira sind vielschichtige Figuren mit einer komplexen Geschichte und einer ebenso komplexen Beziehung zueinander. Besonders der Umgang von Eltern mit ihren Kindern ist in diesem Roman oft unglaublich schmerzhaft! Gleichzeitig verpasst es die Autorin nicht, ihren Lesenden auch heilsame Elemente zu schenken - ganz besonders in Form weiblicher Solidarität und Stärke. Ich konnte wirklich einige Geschehnisse der Erzählung erahnen und doch war ich zutiefst bewegt, wenn sie dann entsprechend aufgeklärt wurden. Das spricht in meinen Augen für Fonthes’ großes Talent! Die Autorin schreibt so gut, dass sie auf überflüssige Spannungselemente getrost verzichten kann. Durch das geschickte Vermitteln kongolesischer Geschichte habe ich auch wirklich viel über die Demokratische Republik Kongo, früher Zaire, gelernt. Der einzige Punkt, den ich zumindest ambivalent sehe, ist die Verwendung verschiedener Lingala-Begriffe und -Sätze. Einerseits trägt sie extrem zur Authentizität der Geschichte bei und die Kursivschreibung sowie das angeschlossene Glossar sind hilfreiche Tools. Andererseits konnte ich mir die Übersetzungen trotzdem so schlecht merken, dass ich ständig noch einmal nachsehen musste, was meinen Lesefluss behindert hat. Ich bin aber viel zu begeistert von diesem bemerkenswerten Debüt, als dass ich irgendetwas von der Wertung abziehen würde. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte über Befreiung und ihr Schluss einfach nur ein Paukenschlag. Lest unbedingt diesen spannenden, feinfühligen und auch schmerzhaften Roman!

HannaRezension von Hanna

„Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen.“ (S. 15) Bijoux hat Kinshasa als Teenager nach politischen Unruhen verlassen und lebt seitdem bei ihrer Tante Mireille in London, hat es jedoch nie geschafft, einen Beziehung zu ihr aufzubauen – zwischen ihnen herrscht Schweigen. Die beiden sind Teil der evangelikalen Freikirche The Mountain; die Tatsache, das sie lesbisch ist, hält Bijoux geheim. Doch als sie mit einem jungen Mann aus der Kirche verheiratet werden soll, gerät die Fassade ins bröckeln … Nach und nach erfahren wir als Leser:innen auch die Geschichte ihrer Tante Mireille und man kann eigentlich gar nicht anders, als mit dieser zunächst so unsympathisch wirkenden Frau mitzufühlen. Die Geschichte wird vor allem durch eine Frage vorangetrieben: Wie kann es Mira und Bijoux gelingen, das Schweigen, das sie voneinander trennt, zu durchbrechen? Ein unglaublich mitreißender Roman zwischen Kinshasa und London, das ich sehr gerne gelesen habe. Generationenübergreifende Romane, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, gefallen mir ja fast immer gut, aber Christina Fonthes hat es auch geschafft einen tollen Spannungsbogen aufzubauen und interessante Charaktere zu entwerfen, die man trotz ihrer Fehler ins Herz schließt. Ins Deutsche übersetzt wurde der Roman von Michaela Grabinger – sie hat es dabei (wieder einmal) geschafft, kulturelle Elemente und fremdsprachige Ausdrücke (v. a. auf Lingala) zu übernehmen und die Besonderheiten des Originals beizubehalten, ohne dass dies den Lesefluss beeinträchtigen würde. Für mich hat sich das meiste aus dem Kontext erschlossen, aber für alle, die ein bisschen mehr Erklärungen brauchen, gibt es auch noch ein sehr übersichtliches Glossar am Ende. Ein emotionales Debüt über starke Frauen, die es trotz gesellschaftlichem und familiärem Gegenwind schaffen, ihren Weg zu gehen und das Schweigen zu durchbrechen.

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