Qimmik
von Michel Jean
Als der Jäger Ulaajuk in den 1960er Jahren nach Kuujjuaraapik, das südlichste Dorf in Nunavik, an der Grenze von Tundra und Taiga, kommt, um seine Felle zu verkaufen, verliebt sich die junge Inuk Saullu in ihn. Als Ulaajuk ihr die Gebiete zeigen will, aus denen er kommt, verlassen die beiden Inuit Kuujjuaraapik und verbringen in Begleitung ihrer qim- miit, zwei Gespannen von jeweils zehn Schlittenhunden, mehrere Jahre in den Weiten von Nunavik, wo sie von der Jagd auf Robben, Belugas und Karibus leben. Als sie – Saullu hat inzwischen eine Fehlgeburt gehabt – nach Kuujjuaraapik zurückkehren, stellen sie fest, dass das Dorf sich sehr verändert hat. Häuser sind gebaut und Straßen angelegt worden, Geschäf- te haben sich angesiedelt, was aber vor allem auffällt, ist die völlige Abwe- senheit der Hunde. Beamte der Sécurité du Québec waren gekommen und hatten alle Hunde erschossen, auch diejenigen von Saullus Vater. Ulaajuk und Saullu kehren in ihr Lager zurück. Als Saullu erneut schwanger wird, will sie ihr Kind in Kuujjuaraapik zur Welt bringen. In der Nacht nach der Geburt ihrer Tochter stirbt ihr Vater. Am Tag seiner Beerdigung kommen morgens wieder Polizisten ins Dorf und erschießen Ulaajuks Hunde. Jahrzehnte später wird die Anwältin Ève Beaulieu von ihrer Kanzlei an die Côte-Nord geschickt, um den Inuk Uqittuq Ainalik zu verteidigen, der vier ehemalige Beamte der Sécurité du Québec getötet haben soll. Unter- stützt wird sie von ihrer Kollegin und Freundin Nadège, die für sie über die Opfer und den mutmaßlichen Täter recherchiert. Mit ihrem Hund Qimmik fliegt sie nach Sept-Îles, doch der alte Inuk schweigt nicht nur bei der ersten Befragung hartnäckig, sondern auch bei allen weiteren. Als er endlich doch sein Schweigen bricht, erfährt Ève, die als Baby adoptiert worden war, Dinge, die ihr Leben gründlich auf den Kopf stellen. Michel Jean wendet sich in diesem Roman erneut einem kaum be- kannten Kapitel in der Geschichte der Ureinwohner von Québec zu: die massenweise Erschießung der Schlittenhunde der Inuit in den 1960er Jah- ren durch Beamte der Sécurité du Québec, wodurch sie gehindert werden sollten, weiterhin unkontrolliert in den Weiten von Nunavik zu jagen. Da- bei gelingen ihm erschütternde Szenen, die unmittelbar zu Herzen gehen.
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Qimmik
von Michel Jean
Als der Jäger Ulaajuk in den 1960er Jahren nach Kuujjuaraapik, das südlichste Dorf in Nunavik, an der Grenze von Tundra und Taiga, kommt, um seine Felle zu verkaufen, verliebt sich die junge Inuk Saullu in ihn. Als Ulaajuk ihr die Gebiete zeigen will, aus denen er kommt, verlassen die beiden Inuit Kuujjuaraapik und verbringen in Begleitung ihrer qim- miit, zwei Gespannen von jeweils zehn Schlittenhunden, mehrere Jahre in den Weiten von Nunavik, wo sie von der Jagd auf Robben, Belugas und Karibus leben. Als sie – Saullu hat inzwischen eine Fehlgeburt gehabt – nach Kuujjuaraapik zurückkehren, stellen sie fest, dass das Dorf sich sehr verändert hat. Häuser sind gebaut und Straßen angelegt worden, Geschäf- te haben sich angesiedelt, was aber vor allem auffällt, ist die völlige Abwe- senheit der Hunde. Beamte der Sécurité du Québec waren gekommen und hatten alle Hunde erschossen, auch diejenigen von Saullus Vater. Ulaajuk und Saullu kehren in ihr Lager zurück. Als Saullu erneut schwanger wird, will sie ihr Kind in Kuujjuaraapik zur Welt bringen. In der Nacht nach der Geburt ihrer Tochter stirbt ihr Vater. Am Tag seiner Beerdigung kommen morgens wieder Polizisten ins Dorf und erschießen Ulaajuks Hunde. Jahrzehnte später wird die Anwältin Ève Beaulieu von ihrer Kanzlei an die Côte-Nord geschickt, um den Inuk Uqittuq Ainalik zu verteidigen, der vier ehemalige Beamte der Sécurité du Québec getötet haben soll. Unter- stützt wird sie von ihrer Kollegin und Freundin Nadège, die für sie über die Opfer und den mutmaßlichen Täter recherchiert. Mit ihrem Hund Qimmik fliegt sie nach Sept-Îles, doch der alte Inuk schweigt nicht nur bei der ersten Befragung hartnäckig, sondern auch bei allen weiteren. Als er endlich doch sein Schweigen bricht, erfährt Ève, die als Baby adoptiert worden war, Dinge, die ihr Leben gründlich auf den Kopf stellen. Michel Jean wendet sich in diesem Roman erneut einem kaum be- kannten Kapitel in der Geschichte der Ureinwohner von Québec zu: die massenweise Erschießung der Schlittenhunde der Inuit in den 1960er Jah- ren durch Beamte der Sécurité du Québec, wodurch sie gehindert werden sollten, weiterhin unkontrolliert in den Weiten von Nunavik zu jagen. Da- bei gelingen ihm erschütternde Szenen, die unmittelbar zu Herzen gehen.
Aktuelle Rezensionen(1)
Auch in diesem Buch erzählt Michel Jean in seiner einfachen, direkten Sprache vom Leben der autochthonen Bevölkerung in Kanada. In zwei Zeitebenen zeigt er auf, wie es einmal war und wie es heute ist und wie Vergangenheit und Gegenwart zusammenhängen (verdeutlicht durch einen Kriminalfall). Nunavik in den 60er-Jahren: Das Paar Ulaajuk und Saullu führen ein Nomandenleben in der Tundra, begleitet werden sie dabei von ihren qimmiit, den Hunden, die als Teil des Clans betrachtet und auch so behandelt werden. Als sie nach mehreren Jahren in das Dorf Kuujjuaraapik zurückkehren, erkennen sie es kaum wieder, so viel hat sich verändert. Viele Familien wurden dazu gezwungen sich sesshaft niederzulassen, wodurch es zu wenig Wild gibt, um alle zu ernähren; vor allem Männer sind arbeitslos und verbringen ihre Zeit damit zu trinken. Und wo sind eigentlich die Hunde? In der Gegenwart wird die junge Anwältin Ève damit beauftragt einen Inuit zu vertreten, der beschuldigt wird vier Polizisten im Ruhestand, die bei der Sûreté du Québec in Nunavik gearbeitet haben, ermordet zu haben. Die Beweislage ist erdrückend, doch sein Motiv ist unklar und er weigert sich zu sprechen. Mehr will ich hier nicht zum Inhalt verraten, obwohl der Klappentext sogar mehr verrät und mir beim Lesen leider ein bisschen die Spannung genommen hat, da dadurch recht klar war, worauf alles hinausläuft. Einige Stellen fand ich in der Übersetzung unnötig kompliziert bzw. etwas altmodisch formuliert – ein etwas sorgfältigeres Lektorat hätte dem Buch wahrscheinlich nicht geschadet. Etwas irritiert haben mich auch die häufigen und sehr umfangreichen Fußnoten des Übersetzers. Ich finde es prinzipiell sehr gut, wenn Übersetzer:innen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeit zu kommentieren, in diesem Umfang wäre ein Register oder ein Anhang in meinen Augen jedoch die bessere Wahl gewesen. Nichtsdestotrotz ist der Roman extrem informativ und ich habe viel Interessantes über die Kultur und Lebensweise der Inuit gelernt. Wer sich für indigene Völker, ihre Lebensweise und ihre Geschichte von der Vergangenheit bis in die Gegenwart interessiert, dem seien dieser Roman und eigentlich alle Werke von Michel Jean wärmstens ans Herz gelegt.