Nacht über den Wassern / Night Over Water
von Ken Follett
September 1939. England is at war with Nazi Germany. In Southampton, the world’s most luxurious airliner—the legendary Pan Am clipper—takes off for its final flight to neutral America. Aboard are the cream of society and the dregs of humanity, all fleeing the war for reasons of their own…shadowed by a danger they do not know exists…and heading straight into a storm of violence, intrigue, and betrayal…
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Nacht über den Wassern / Night Over Water
von Ken Follett
September 1939. England is at war with Nazi Germany. In Southampton, the world’s most luxurious airliner—the legendary Pan Am clipper—takes off for its final flight to neutral America. Aboard are the cream of society and the dregs of humanity, all fleeing the war for reasons of their own…shadowed by a danger they do not know exists…and heading straight into a storm of violence, intrigue, and betrayal…
Aktuelle Rezensionen(1)
Großes Flugboot, kleine Spannung September 1939, wenige Tage nach Kriegsausbruch. Der legendäre Pan-American-Flying-Clipper, ein gigantisches Flugboot, startet von Southampton aus zu seinem letzten Flug über den Atlantik. An Bord: vierzig Passagiere, von denen jeder seinen Grund hat, die alte Welt zu verlassen. Ein jüdischer Wissenschaftler auf der Flucht vor den Nazis. Ein eleganter Juwelendieb mit dunkler Vergangenheit. Ein erzkonservativer Lord und seine rebellische Tochter. Ein Agent in geheimer Mission. Ein betrogener Fabrikant. Auf 30 Stunden Flugzeit kommt jeder dieser Menschen an den Punkt, an dem er die wichtigste Entscheidung seines Lebens treffen muss. Und während sich oberhalb der Wolken Beziehungen entwickeln, Geheimnisse aufgedeckt und Identitäten infrage gestellt werden, bahnt sich unter der scheinbar luxuriösen Atmosphäre eine Bedrohung an, die nur einer der Passagiere kennt. Sprachlich liefert Follett wie gewohnt solides Handwerk. Die Sätze fließen, die Übergänge zwischen den Perspektiven funktionieren, die deutschen Übersetzerinnen Gabriele Conrad und Lore Straßl haben einen gut lesbaren Text geliefert. Wer Follett kennt, weiß: Er schreibt nicht literarisch anspruchsvoll, sondern erzählerisch zugänglich – und das macht er hier auch. Was mir allerdings auffiel: Stilistisch passiert hier wenig Überraschendes. Während Follett in „Die Säulen der Erde“ oder „Die Nadel“ mit bildgewaltigen Szenen begeistert, bleibt „Nacht über den Wassern“ sprachlich blass. Es liest sich flüssig, aber kein einziger Satz ist mir hängengeblieben. Bei einem 608-Seiten-Roman ist das eine Schwäche. Die Grundidee ist genial. Ein luxuriöses Flugboot der späten 1930er Jahre, ein 30-stündiger Flug über den Atlantik, vierzig Passagiere mit Geheimnissen – das hätte ein Kammerspiel auf höchstem Niveau werden können. Follett recherchiert wie immer akribisch. Die technischen Details zum Pan-American-Clipper, die Aufteilung der Kabinen, die Mahlzeiten an Bord, der Schlafkomfort, die Zwischenstopps – all das ist faszinierend. Das Problem: Follett nutzt dieses einzigartige Setting kaum. Nach dem Start verliert das Flugzeug erstaunlich schnell an Bedeutung. Die meisten dramatischen Szenen finden in Rückblenden vor dem Flug oder bei den Zwischenstopps statt, nicht über dem Atlantik. Die klaustrophobische Spannung, die ein begrenzter Raum hätte erzeugen können, wird verschenkt. Das hat mich tief enttäuscht. Follett versucht, mit zahlreichen Hauptfiguren zu jonglieren. Das wirkt zunächst ambitioniert, läuft aber schnell schief. Die Figuren bleiben Stereotype: der rebellische Aristokrat, die idealistische Tochter, der charmante Gauner mit Herz, der trottelige Ehemann, die unzufriedene Ehefrau. Jeder hat eine Hintergrundgeschichte, die in Rückblenden ausgewalzt wird, aber emotional packen konnten sie mich nicht. Was mir besonders aufstößt: Die Frauenfiguren wirken nach heutigen Maßstäben sehr klischeehaft gezeichnet. Sie werden auffällig oft über ihr Aussehen, ihre Sexualität oder ihre Beziehungen zu Männern definiert. Das mag dem Erscheinungsjahr 1991 geschuldet sein, wirkt aber heute beim Lesen oft unangenehm. „Säulen der Erde“ hat Aliena als starke, vielschichtige Frauenfigur etabliert – hier sucht man Vergleichbares vergebens. Hier liegt das größte Problem. Follett verspricht einen Thriller, liefert aber über weite Strecken einen Gesellschaftsroman mit thrillerhaftem Anstrich. Die eigentliche Kriminalhandlung – jemand plant etwas Bedrohliches an Bord – ist nur ein dünner roter Faden, der die vielen privaten Schicksale zusammenhält. Die echten Stakes erscheinen erst spät und werden dann auch noch eher unbefriedigend aufgelöst. Auf 608 Seiten passiert für meinen Geschmack zu wenig. Viele Kapitel bestehen aus innerem Monolog, Eheproblemen und langen Rückblenden in die Vorgeschichten der Figuren. Wer einen klassischen Follett-Pageturner erwartet, wird hier enttäuscht. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, weil ich Follett mag, nicht weil ich es nicht aus der Hand legen konnte. Was Follett wie immer kann: recherchieren. Die Details zum Pan-American-Flying-Clipper sind tatsächlich faszinierend. Wie elegant Luxusreisen vor dem Krieg waren, wie das Flugboot funktionierte, wie die Crew arbeitete – das alles macht Spaß zu lesen. Auch die politische Stimmung kurz nach Kriegsausbruch ist atmosphärisch eingefangen. Aber: Die historische Recherche kann nicht retten, was die Handlung nicht trägt. Follett verliert sich oft in technischen Details, die für die Story keinen Mehrwert bringen. Das mag historisch Interessierte freuen, bremst den Roman aber zusätzlich aus. Wer Ken Follett kennt, weiß: Er ist einer der besten Geschichtenerzähler der Welt. „Die Säulen der Erde“, „Die Nadel“, „Die Tore der Welt“ – diese Bücher zeigen, was Follett kann, wenn er auf Hochtouren läuft. „Nacht über den Wassern“ reicht da nicht ansatzweise heran. Mein konkreter Tipp: Wer Follett entdecken möchte, sollte zu „Die Säulen der Erde“ greifen – Mittelalter, Kathedralenbau, packendes Familiendrama. Wer schnellere Thriller mag, ist mit „Die Nadel“ besser bedient – Spionage im Zweiten Weltkrieg, mit echtem Spannungsbogen. „Nacht über den Wassern“ sollte erst kommen, wenn man Follett wirklich komplett lesen will. Mein Fazit: „Nacht über den Wassern“ ist für mich einer der schwächeren Romane von Ken Follett. Die Premise ist großartig, das Setting einzigartig, aber Follett verschenkt beides. Statt eines packenden Kammerspiels in 30.000 Fuß Höhe bekommt man einen weitschweifigen Gesellschaftsroman mit klischeehaften Figuren und unausgenutzter Spannung. Wer Follett mag, kann das Buch lesen, wird aber vermutlich enttäuscht sein. Wer Follett gerade entdeckt, sollte mit einem seiner Klassiker beginnen und „Nacht über den Wassern“ weit hinten anstellen. Empfehlenswert für eingefleischte Follett-Fans, die seine Bibliografie komplettieren wollen. Für Leser:innen mit Interesse an der Luftfahrtgeschichte der 1930er Jahre und für alle, die ruhige historische Gesellschaftsromane mit ensemblehaftem Aufbau mögen. Eher nichts für Leser:innen, die einen klassischen Follett-Thriller im Stil von „Die Nadel“ oder „Das zweite Gedächtnis“ erwarten, vielschichtige Figuren brauchen oder bei antiquierten Geschlechterdarstellungen empfindlich reagieren.